Tatort Kleingarten - KGV Am Grutholz

Tatort Kleingarten

Schulungsvormittag im KGV Am Grutholz

Es wurde giftig am 16.09.2023 in der Kleingartenanlage am Grutholz. Alois Bredl besuchte unsere Anlage am Ende der Alleestraße um eine Schulung zum Thema „giftige Pflanzen“ abzuhalten. Bei bestem Wetter versammelten sich Zuhörer aus der Anlage, der Nachbarschaft und Freunde des Kleingartenwesens.

Mit Handschuhen an den Händen breitete der ehemalige Bezirksfachberater einige Pflanzen, Ruten und Äste auf dem langen Tisch auf der Vereinsfläche aus.

Zum Beispiel ein Ast vom Knallerbsenstrauch, fachmännisch auch gemeine Schneebeere genannt. Dies erweckte in fast allen Teilnehmern lächelnde Erinnerungen. Hat nicht jeder von uns in der Kindheit die Beeren abgepflückt und kräftig zu Boden geworfen, weil sie so schön knallten. Die Früchte bieten vorrangig für Drosseln und Finken einen leckeren Imbiss. Aber wenn man nicht grade eine Drossel oder ein Fink ist, führt der Verzehr der schönen weißen Beere zu erheblicher Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ist nicht tödlich, aber schön ist auch anders.

Maiglöckchen, Tollkirsche, Eibe, Goldregen, Finger- und Eisenhut, Efeu, Oleander, Rhododendron, Pfaffenhütchen sind einige dieser Pflanzen, deren Verzehr oder Kontakt durchaus einen tödlichen Verlauf nehmen können.

Zu dem Finger- und Eisenhut gab es sogar vor einigen Jahren eine Forschung, in der untersucht wurde, ob Honig von Bienen, die sich hauptsächlich an diesen Pflanzen gütig taten, gesundheitsgefährdend sein könnten. Das Ergebnis brachte jedoch Entwarnung, der Honig ist unbedenklich.

Seit Jahren gibt es auf den sozialen Plattformen immer wieder Warnungen bezüglich des Bärenklaus. Die bis zu 2-Meter-große Pflanze führt bei bloßem Kontakt zu Entzündungen und verbrennungsähnlichen Verletzungen, die für monatelange gesundheitliche Schwierigkeiten führen können. Alois Bredl nannte dazu eine Stelle in Henrichenburg wo der Bärenklau gesichtet wurde. „Keinesfalls anfassen“ lautete seine Warnung. Kurzer Hautkontakt, insbesondere in Verbindung mit Sonnenlicht sorgt durch phytotoxische Vergiftung die sich durch schwere Entzündungen und Verbrennungssymptomen auszeichnet.

Bad medicine

Aber wie Paracellsus schon sagte:. „Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass es kein Gift ist.“ Kurz, die Dosierung macht das Gift. Geht also nicht raus, und macht euer Ding, sondern lasst die Profis daran, wenn ihr naturheilkundlich unterwegs seid.

Viele von den Giftpflanzen, auch die die einen tödlichen Vergiftungsverlauf haben, werde in der Pharmazie verwendet. Bei Herzschwäche wird mittels Fingerhut das Medikament Digitalis eingesetzt.

Wir alle kennen das ABC-Pflaster, heute auch Thermacare. Unter anderem ist neben Arnika die Tollkirsche (Belladonna) und Chili (Capsicum) ein Inhaltsstoff, der bei Muskelschmerzen und Verspannungen durch Wärmebildung verwendet. Wer die Früchte in hohen Dosen isst erleidet Halluzinationen und Tobsuchtsanfälle, die bis zum Tod führen können. In geringeren Dosen wirkt sie krampflösend und fiebersenkend.

Die Pflanze der Arnika kann oral angewendet durchaus zu Herzstillstand oder Herzschäden führen. Während die Flavonoide der gelben Blüte äußerlich entzündungshemmend und mikrobiell wirken.

Und auch so manch eine Hustensaft-Verpackung ziert ein Efeublatt. Prospan zum Beispiel, ein Schleimlöser, der auf Extrakten des Efeus basiert. Die Blüte des Efeus kann eingeatmet jedoch zu Atemschwierigkeiten und Ohnmacht führen.

So erzählte Alois Bredl, der im Garten- und Landschaftsbau tätig ist von einem Vorfall, bei dem ein Mitarbeiter eine Efeuhecke schnitt und den aufwirbelnden Blütenstaub einatmete. Er fiel sofort in Ohnmacht.

So manches was grünt und blüht ist nicht nur schön, sondern kann auch giftig sein. Und so sollte wichtig sein, zu wissen, was im Garten wächst. Insbesondere wenn man kleine Kinder hat. Es gilt nicht, diese Gewächse zu entfernen und auszurotten. Vielmehr geht es in solchen Schulungen darum, grade Kindern, den Umgang mit diesen giftigen Gewächsen beizubringen.

Als Buchtipp präsentiert Alois Bredl die Bücher „Giftige Pflanzen in Garten Haus und öffentlichen Grün“ und „“Essbare und giftige Wildpflanzen“ und für alle Fälle hinterließ er noch ein Infoblatt mit den Rufnummern der Gift-Notfall-Zentralen. Ähnlich wie beim Notruf bei Polizei oder Feuerwehr gilt:

-WER/WAS ist passiert; Mensch oder Tier

-WIEVIEL wurde von WAS eingenommen?

-WANN ist es passiert?

-ART der Einnahme

-Alter und Gewicht

Genießt Euren Garten, aber wisst was wächst….

An dieser Stelle vielen Dank an das Team des KGV Am Grutholz für die Ausrichtung der Schulung.

 

Mona Richter, Pressewart des KGV Am Grutholz e.V.

Alois präsentiert das Buch Giftige Pflanzen in Garten, Haus und öffentlichem Grün

Grutholzer und Freunde aus Kleingarten bei der Schulung

Standorte und Telefonnummern der Giftnotruf-Zentrale