Bezirksverband Castrop-Rauxel/Waltrop der Kleingärtner e.V.ArchivAGÖ 201960 jähriges Jubiläum beim KGV Am Schellenberg

60 jähriges Jubiläum beim KGV Am Schellenberg

Pressebericht

60 Jahre Gärtnern mit Leidenschaft –
ein Portrait über Hans und Anne Bressan

In diesem Jahr feiert ein liebenswertes Pächter-Ehepaar unseres Vereins ein besonderes Jubiläum: Hans und Anne Bressan bewirtschaften seit 60 Jahren mit viel Energie, Lebensfreude und bei immer noch bester Gesundheit ihren schönen Garten.

Die Anfangsjahre

Hans und Anne haben einiges erlebt und vieles zu erzählen, darunter auch manch unterhaltsame Anekdote.

Als die beiden 1959 den Garten kauften, war unsere Anlage als „Grabeland“ ausgewiesen und somit praktisch nicht viel mehr als freies Feld, freilich schon in Parzellen unterteilt. Es gab also zu Anfang weder Lauben, noch ein Vereinshaus, noch Strom, noch fließendes Wasser - von anderen, uns heute völlig selbstverständlichen, Annehmlichkeiten ganz zu schweigen. 

Wie man sich vorstellen kann, war diese Situation mit Kindern nicht einfach. Aber die beiden waren jung und ließen sich von Schwierigkeiten nicht abschrecken. Schließlich ging es den anderen frühen Pächtern genauso. Dann wurde das Wasser eben eimerweise aus den Pumpen geholt und ohne Strom kam man auch irgendwie zurecht.

Trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen? - war es eine schöne Zeit.

Hans und Anne bei der Ehrung durch den Verein

Denn Anne gründete mit einigen anderen Frauen die heute noch bestehende Frauengruppe und veranstaltete mit ihnen das erste Kinderfest. Der benötigte Strom wurde kurzerhand per Kabel aus der angrenzenden Kolonie durch den ganzen Wald in die Anlage hinunter gelegt, zum Kühlen des Bieres für die Erwachsenen und der kalten Getränke für die Kinder schaffte man Eisblöcke in riesigen Wannen heran. Geschirr und Besteck, Kannen mit Kaffee und vieles andere, was man für ein Fest dieser Art so benötigt, musste von zuhause mitgebracht und am Ende wieder dorthin zurücktransportiert werden.

Mit einfachsten Mitteln, aber mit viel Kreativität und zur großen Belustigung aller - der Kinder wie der Erwachsenen - wurden die Kinderspiele dieser frühen Jahre gestaltet. So wurden z. B. Schubkarrenrennen gefahren, getrommelt mit allem, was sich dazu verwenden ließ, Mützchen und Bänder aus Tapeten gebunden und vieles mehr getan, was Kindern eine Freude bereitet. Es sprach sich schnell herum, dass man auf diesem Fest eine heitere Zeit verleben konnte und so waren mit den Jahren immer mehr Kinder dabei, in einem Jahr zählte man sogar 150 von ihnen!

Hans und Anne haben miterlebt, wie im Laufe der Zeit aus dem vormaligen Grabeland ein eingetragener Verein wurde, wie die ersten und später immer mehr Lauben gebaut, die benötigten Strom- und Wasserleitungen gezogen wurden, wie das erste und das jetzige Vereinshaus entstanden, und wie sich die Anlage und der Verein immer weiter entwickelten.

Ein Musterbeispiel kleingärtnerischen Wirkens

Die beiden rüstigen Eheleute sind wahrlich Gärtner mit Leidenschaft. In ihrem Garten ist alles ordentlich und gepflegt und schon jetzt im April ist er ein einziges Blütenmeer: Die Obstbäume blühen weiß und rosa, herrlich farbenfrohe Tulpen, Beete mit Narzissen und Hyazinthen, aber auch die kleinen Vergissmeinnicht, die Stiefmütterchen oder Primeln, sie alle setzen – wohin man auch blickt -  bunte Akzente und erfreuen das Gärtnerauge.

Schon im April eine wahre Blütenpracht

In der Liste der verschiedenen Gemüse- und Obstsorten muss man schon lange suchen, um etwas zu finden, was die beiden nicht anbauen.

Auf dem Feld, im Gewächshaus oder dem Hochbeet wachsen Kartoffeln, Zwiebeln, Erbsen, Mangold, Bohnen, Fenchel, Wirsing, Rotkohl, Kohlrabi, Radieschen, Stielmus, Zucchini, Rhabarber, Schlangengurken, Gewürzgurken, Tomaten, sowie verschiedene Sorten Salat und Kräuter.

An Obst bietet der Garten schwarze und rote Johannisbeeren, Jostabeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, drei Sorten Birnen, Süßkirschen, Pflaumen, ein Mirabellenbäumchen sowie einen 70 Jahre alten Ontario-Apfelbaum mit sehr schmackhaften, vitaminreichen Früchten.

Diese Vielfalt hat schon manchen beeindruckt und bewogen, sich diesen Garten einmal aus der Nähe anzusehen. Doch Hans und Anne sind bescheidene Menschen und wollten viele Jahre lang nicht aktiv an Wettbewerben teilnehmen. Dennoch haben sie zwei Preise gewonnen, dabei einmal, als sie ohne ihr Wissen angemeldet wurden, sofort den ersten Platz erzielt.

Ein Leben ohne den Garten? Unvorstellbar!

In nunmehr 60 Jahren haben Hans und Anne ihren Garten beackert und bepfanzt, gehegt und gepflegt, gesät und geerntet. Sie haben ihre Erfahrungen gesammelt, viel Zeit in der Gemeinschaft mit den Gartennachbarn und anderen Pächtern verbracht und ihre Kinder in der Natur aufgewachsen sehen. 

Während Anne sich in der Frauengruppe engagierte, kümmerte Hans sich hingebungsvoll um seine Rosen oder half als Fachberater vielen Pächtern, die sich noch nicht auskannten oder eine Arbeit nicht mehr allein bewältigen konnten. Kürzlich hat er – im Alter von mittlerweile 85 Jahren – das vom letzten Sturm beschädigte Dach über der Terrasse noch selbst repariert!

Nach wie vor jeden Tag, so erzählen sie mir, essen sie etwas selbstangebautes aus ihrem Garten. Im Sommer frisches Obst, Gemüse und Salat, im Winter eingemachtes Kompott und Gemüse.

Blühendes auch in dem kleinsten Winkel

Auf meine Frage, warum ihre Dahlien trotz der Wühlmäuse jedes Jahr wieder so herrlich blühen, verrät Anne mir einen Tipp: Sie setzen die Knollen nach den Eisheiligen in Töpfen mit frischer Erde in die Beete. So sind sie vor den gefräßigen Nagern geschützt. Vor dem einsetzenden Frost nehmen sie die Töpfe mit den Knollen wieder heraus und lassen sie an einem geschützten Ort überwintern. Im nächsten Jahr wiederholt sich das Ganze.

Während wir auf der Terrasse sitzen und reden, schwirren Meisen und andere kleine Vögel um uns herum. Sie picken ausgelegte Körner auf, trinken einen Schluck aus der Wasserschale oder singen einfach ihr Lied. Die Vögel haben keine Scheu. Sie wissen, dass in diesem Garten für sie gesorgt wird.

Und die beiden Eheleute wissen, dass sie ohne ihren Garten nicht mehr sein können. Denn auch nach 60 Jahren können sich diese beiden leidenschaftlichen Gärtner noch täglich an der Arbeit, dem Beobachten der Vögel und dem Ertrag ihres Gartens freuen. 

Damit sind sie das beste Beispiel dafür, dass ein Leben mit der Natur und die gesunde Ernährung aus dem eigenen Garten körperlich gesund und geistig fit halten.

Liebe Anne, lieber Hans: Wir vom KGV „Am Schellenberg“ wünschen Euch von ganzem Herzen, dass Ihr Euren Garten noch lange, lange Zeit so genießen könnt, wie in den letzten 60 Jahren!

 

Kirsten Schröder, Pressesprecherin